Kommentar: Das junge Plenum sorgt für Abwechslung im Landtag

Oktober 9, 2010 Jugendlandtag

Die Jugendlichen haben das Plenum des Landtages dieses Jahr gründlich aufgemischt, meint Hanna Liesenfeld. Das war vorbildlich, auch für Berufspolitiker. 

Jugendabgeordnete zeigen ihre Emotionen

Jugendabgeordnete zeigen ihre Emotionen

 

  

Die jungen Vertreter der Abgeordneten haben frischen Wind ins Plenum des Landtag Nordrhein-Westfalens gebracht. 

Der Plenarsaal wurde am 9. Oktober, aus Anlass des dritten Jugendlandtags, zur Arena zahlreicher Wortgefechte, in der der geistreiche Austausch von Ideen und die Meinung engagierter Jugendlicher im Vordergrund standen. 180 Jugendliche waren als Nachwuchspolitiker zusammengekommen, um einen Schritt in die richtige Richtung der eigenen Generation zu tun. Die große Ernsthaftigkeit, mit der jeder bei der Sache war, zeugte von Verantwortungsbewusstsein für die eigene Zukunft. 

Die Jugendlichen stellten sich tapfer den kritischen Fragen der Opposition aus den eigenen Reihen, die oft darauf zielten, den Redner doch noch aus dem Konzept zu bringen. Fast niemandem fehlte es an Sprach- und Schlagfertigkeit, um die eigene Meinung zu vertreten und sich nicht vom Kurs abbringen zu lassen. Mithilfe wohl überlegter Wortspiele und Metaphern, wie „bürokratischer Schreibtischkampf“ und das „Monster mit blutigen Tentakeln“ als Verbildlichung der Bundeswehr, machten viele der Jugendlichen ihren politischen Gegner sprachlos. 

Die teilweise über Nacht entstandenen Reden wurden sicher und selbstbewusst vorgetragen und brachten manche Sprecher so in Rage, dass das Landtagspräsidium ihnen schließlich das Mikrofon abschalten musste. Es hatte nun mal jeder nur ein paar Minuten Zeit, seine Überzeugungen vorzutragen und wer überzog, der wurde durch genervte, aber angebrachte Zwischenrufe unsaft an die notwendige „Ordnung im Haus“ erinnert. 

Einige Zwischenrufe waren allerdings eindeutig fehl am Platz. So wie die unverschämte Äußerung einer Vertreterin der Linken gegen einen Vertreter der FDP-Fraktion, der ihrer Meinung nach dem Sänger der Band Tokio Hotel ähnlich sehe und der es doch tatsächlich gewagt hatte, einen Einwand während ihrer Rede verlauten zu lassen. Ihre beleidigende Aussage „Tokio-Hotel-Typ, kannst du mal ruhig sein?!“ war offensichtlich nötig, um die eigene Unsicherheit zu überspielen und nicht sprachlos darzustehen. 

Abseits dessen nahmen sich die Jugendlichen zum Glück nicht zu ernst und konnten auch über sich selbest lachen. Beispielsweise als der Landtagspräsident von einer Rednerin versehentlich mit dem Bundespräsidenten verwechselt wurde. So etwas könnte vor 180 kritischen Zuschauern peinlich sein, sorgte hier jedoch für Lachen. 

Das Plenum war keine langwierige Sitzung. Die Jugendlichen geizten nicht mit Gesten, um ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen. Vom Daumen-hoch bis Daumen-runter, von der Kopf-ab-Geste bis zu provokanten Pfiffen war alles dabei. 

Und obwohl die Jugendlichen es mit Buh- und Zwischenrufen von Zeit zu Zeit übertrieben, wurde, wie ein junger Redner so schön sagte, im Landtag endlich mal „Tacheles geredet“. 

Die Berufspolitiker sollten sich an diesen Jugendlichen ein Beispiel nehmen.

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