Ausschusssitzung wider Willen

Oktober 8, 2010 Europa

Vier Nachwuchsjournalisten hatten es sich zur Aufgabe gemacht über den Jugendlandtag zu berichten. Sie landeten aber vor der Europaministerin.

von Laureen Kobbeloer


Die falsche Ausschusssitzung

Der Jugendlandtag ist dafür da, den politischen Alltag besser kennen zu lernenund aktuelle Themen ohne die Politiker selbst mitgestalten zu können. Und doch trafen vier Nachwuchsjournalisten auf die Europaministerin.

Ihr Thema: Europa. Ihr Ziel: Spannende Berichte über hitzige Debatten der Jugendlichen bei Themen wie Kulturhauptstädte und Auslandspraktika. Ihr Plan: Besuch der 10-Uhr-Europa und eine Welt-Ausschusssitzung in der Villa Horion, worüber der Info-Counter, an dem alle Termine angezeigt sind, informiert

Als die vier Nachwuchsjournalisten um Punkt zehn Uhr allerdings den Saal betreten, blicken sie auf einmal in die Gesichter mehrerer Journalisten, wichtige Abgeordneter und der Europa-Ministerin Angelica Schwall-Düren, die zum Beginn der Legislaturperiode die Schwerpunktsetzung der Landesregierung in Europa-und Weltpolitik vorstellte. Was aber hatte die amtierende Ministerin bei dem Jugendlandtag zu suchen?

Natürlich ist es nicht uninteressant den eifrig diskutierenden Politikern bei der Weichenstellung für neue Europapolitik zuzuhören, doch erstens konnten sie nichts über die europäischen Flagge herausfinden und zweitens stellte sich ihnen die Frage, wo nun die Jugendlichen abgeblieben waren. Da sich das Thema der Sitzung aber mit dem des Jugendlandtags deckt, blenden sie die Tatsache aus, dass sie die einzigen unter 40-Jährigen in diesem Raum sind.

Als aber die Frau Ministerin wirksame Maßnahmen gegen Dumpinglöhne und die Stärkung des regionalen „Weimarer Dreiecks“ anspricht, wird ihnen allmählich klar, dass nicht die Fraktionen falsch waren sondern sie.

Doch einfach hinauszugehen ist in diesem Moment auch ebenso taktlos wie unangebracht. So hören sie sich geduldig alle europapolitischen Zielsetzungen und die dazugehörigen Reaktionen der Ausschussmitglieder an und schreiben, wie es sich für Journalisten nun einmal gehört, eifrig mit: Pakistanbericht der Landesregierung und sämtliche Städtepartnerschaften Nordrhein-Westfalens.

Da Angelica Schwall-Düren sich allerdings unter enormen Zeitdruck befindet, verlässt sie nach einer guten Stunde die Sitzung und lässt die Fraktionen ohne ihr Beisein die Sitzung fortführen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, ebenfalls schnell aus dem Saal zu verschwinden und ihre erste Ausschusssitzung zu verlassen.

Etwas später erfahren die vier, dass der Info-Counter darauf ausgelegt ist, jeden Tag über alle Sitzungen zu informieren. Darunter auch die Ausschusssitzung über Europa und eine Welt.

Der Grund allen Übels ist somit die Info des Counters.

Kulturhauptstädte – Thema ohne Diskussion

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