Jugendlandtag fordert Förderung von Auslandspraktika

Oktober 9, 2010 Ehrenamt, Europa, Jugendlandtag

Die Förderung von Auslandspraktika ist Teil der Diskussion im Jugendlandtag. Vor allem wollen die Jugendlichen Sprachbarrieren durchbrechen. Eine europäische Universalsprache war auch Gegenstand der Debatte.

von Anne Böhm

Die zentralen Themen des Jugendlandtags sind “Europa voran bringen” und “Schulen sollen Ehrenämter fördern”. Beides vereint sich in der Diskussion über Praktika.

Die Abgeordneten des Jugendlandtags definieren selbst den Begriff des “Sozialen Praktikums”: “Der Unterschied zwischen einem normalen Praktikum und einem sozialen Praktikum ist der, dass man bei einem sozialen Praktikum insbesondere lernen soll, die Gesellschaft verantwortungsvoll mitzugestalten und sozial schwächer Gestellten zu helfen. Ein soziales Praktikum soll zu mehr Hilsbereitschaft führen und das verantwortliche gesellschaftliche Zusammenleben sichern.”

Maik Brunkow (19) ist Sozialpädagogik-Student und im Jugendlandtag Pressesprecher der Grünen. Er absolvierte während der Schulzeit ein Praktikum im Altersheim.  ”Dabei prägte sich vor allem meine Interaktionsfähigkeit aus”, sagt er. “Natürlich wäre es besser gewesen, dieses Praktikum im Ausland zu machen.”

“Früher fiel es auf, wenn ein Auslandspraktikum im Lebenslauf stand. Heute fällt auf, wenn es in der Vita fehlt,” stellt Günter Müller-Gräntschel, Referatsleiter internationaler Praktikumsaustausch beim DAAD, fest. Es wird also zu einem Muss, ein Auslandspraktikum vorweisen zu können.  Am besten in Verbindung mit einer sozialen Tätigkeit. Ein angenehmer Nebeneffekt, wenn junge Menschen ein solches Praktikum vorweisen können, ist: Sie haben Organisationstalent bewiesen. Denn bis sie erst einmal in einem anderen Land angekommen sind, müssen sie sehr viel Eigeninitiative einbringen.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Richard Grimm (19) und Stellvertreterin Damira Schumacher (20), sprechen sich ebenfalls für eine Förderung sozialer Praktika aus. Sie legen allerdings Wert darauf, dass ein Praktikant nicht einen regulären Arbeitnehmer ersetzen darf. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Sylvia Hamacher (18) würde die Förderung des sozialen Engagements sogar zu einer Pflicht der Schule machen.

Auch Isabelle Momper (16, CDU), Jugendlandtagspräsidentin 2010, meint, dass es besonders wichtig sei, Schul- und Auslandspraktika zu fördern. Es sei entscheidend, sich Sprachen vor Ort anzueignen, um das soziale Zusammenwachsen in Europa zu begünstigen. Selbst habe sie noch kein Praktikum im Ausland absolviert, könne sich aber vorstellen, in anderen Ländern zu lernen. Praktische Erfahrungen sammelte die Abiturientin aber schon in Deutschland in dem Bereich Kinderbetreuung in Problemfamilien.

Isabelle Momper (16) in der Pressekonferenz

Isabelle Momper (16) in der Pressekonferenz

Sylvia Hamacher  möchte zudem die Debatte über den Ausbau von Anlaufstellen für Praktika im Ausland anstoßen. Man solle „die Stolpersteine aus dem Weg räumen“, die die weitere Vernetzung Europas verhinderten. Ihr Stellvertreter, Moritz Marl absolvierte selbst noch kein Praktikum im In- oder Ausland. Allerdings nahm er für ein Jahr an einem Schüleraustauschprogramm in die USA teil. Durch die Probleme, die er in dieser Zeit gemeistert hat, sei seine Persönlichkeit deutlich gereift, freut sich der 18-jährige.

Hamacher spricht außerdem die Ausdehnung der Sprachförderung an: Neben dem wichtigen Englischunterricht sollten auch Sprachen wie Französisch, Spanisch und Russisch im Unterricht in den Fokus treten. Seltenere Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Hindi müssten nicht in den Schulalltag eingebunden werden, meinen Hamacher und ihr Vize, denn die förderten nicht das europäische Miteinander. Jedoch, so sagen die Abiturienten weiterhin, sei es wichtig, Sprachkurse dieser Länder attraktiver zu gestalten, um sie in das Leben der Europäer besser zu integrieren. Aber zu einer europäischen Universalsprache sagen sie klar nein. „Man soll nicht die Kultur der einzelnen Länder zerstören“, sagte Hamacher, denn gerade die mache Europa so vielfältig und abwechslungsreich.

Hamacher und Marl setzen sich für die Förderung von Auslandspraktika ein

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Kommentar: Die Politik muss mehr Praktika anbieten

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Comments (2)

 

  1. [...] So fordern auch die Parlamentarier des dritten Jugendlandtages mehr soziale Praktika und Auslandsp…. Das ist richtig, aber auch politische Praktika – sogar auf kommunaler Ebene – müssen gefördert werden. [...]

  2. [...] 8, 2010 Aktuell Afghanistan, Finanzpolitik, Bundeswehr und Atomwerke hat die CDU-Fraktion im Jugendlandtag von Nordrhein-Westfalen als Themen für dieAktuelle Viertelstunde vorgeschlagen . Doch letztlich [...]

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