Ex-Parlamentarier sind als Helfer im Stress

Oktober 8, 2010 Jugendlandtag

Sie diskutieren nicht und treffen keine Entscheidungen – und trotzdem haben sie beim Jugendlandtag alle Hände voll zu tun: die Helfer. Ein unbeliebter Job? Nein, denn es gab mehr Bewerber als Plätze.

von Nadja Friedl

Helferin Jessica May (rechts) erklärt den Abgeordneten des Jugendlandtags den Weg.
Helferin Jessica May (rechts) erklärt den Abgeordneten des Jugendlandtags den Weg.

„Hallo, können wir euch helfen?“ Diesen Satz könnte Jessica May auch auf ein Tonband aufnehmen und immer wieder abspulen, so oft kommt er an diesen Tagen aus ihrem Mund. Es reicht schon, wenn sich jemand einfach nur suchend umblickt – die 20-Jährige bietet immer und immer wieder ihren Rat an. Sie und ihre Kollegen vom Helferteam kennen sich aus im Düsseldorfer Landtag – während die rund 180 Abgeordeten des Jugendlandtags an den langen Gängen und fünfstelligen Raumnummern fast verzweifeln.

Im vergangenen Jahr ging es Jessica aber nicht anders, da war auch sie Stellvertreterin eines Abgeordneten und konnte live erleben, wie es sich anfühlt, als Politikerin zu arbeiten. „Nach den drei Tagen habe ich mir gedacht, dass ich auf jeden Fall wieder dabei sein will. Völlig egal, wie – und jetzt bin ich Helferin.“ An diesen Job heranzukommen, war gar nicht so einfach, denn es gab dreimal so viele Anmeldungen wie Plätze. „Da gab es richtige Dramen“, erinnert sich Doro Dietsch, Organisatorin des Jugendlandtages. „Obwohl wir eigentlich nur 20 brauchen, haben wir dann 22 Jugendliche genommen. Und ich bin ganz beeindruckt, wie super engagiert, zuverlässig und freundlich sie sind.“

Aber manchmal ist es auch gar nicht so einfach, nett zu bleiben. „Letztes Jahr haben uns nachts welche angerufen, weil sie den Weg aus der Altstadt nicht mehr fanden – da mussten wir sie dann abholen und am nächsten Morgen trotzdem früh aufstehen“, erzählt Petra Lammerding. Die 17-jährige Schülerin war bei allen drei Veranstaltungen des Jugendlandtages dabei. „Mit 15 war ich selbst Teilnehmer und noch relativ schüchtern. Jetzt würde ich da viel mehr sagen, muss als Helfer aber meine eigene Meinung zurückhalten“, erzählt sie lachend. Denn die Betreuer erklären nicht nur den Weg, ihre Aufgabenbereiche sind vielfältig; sie gehen vom Auszählen der Stimmen bis zur Kontrolle der Nachtruhe im Hostel. „Ich betreue außerdem die Grüne Fraktion, und da ich in der CDU aktiv bin, muss ich mich manchmal ganz schön zurückhalten“, sagt Petra Lammerding.

Auch für die Leitung von Arbeitskreisen und Ausschüssen sind die jugendlichen Helfer verantwortlich. „Wir erklären, was besprochen werden soll und müssen dann auch irgendwann einen Schlussstrich ziehen“, fasst Jessica May ihre Aufgaben zusammen. Die 20-jährige Düsseldorferin betreut den SPD-Ausschuss zum Thema zur Förderung ehrenamtlichen Engagements an Schulen. Sie erklärt den Weg zum Fahrstuhl, hält Türen auf, organisiert einen Platz für eine Abgeordnete im Rollstuhl. Dann lässt sie einen Vorsitzenden des Ausschusses wählen, „und danach halte ich mich dann im Hintergrund“. Das schafft sie dann aber doch nicht ganz. Immer wieder hakt sie nach, probiert die Diskussion mit einer neuen Bemerkung in eine andere Richtung zu bringen. „Ihr müsst eure Idee verkaufen“, motiviert sie die Fraktionsmitglieder. Jessica gestikuliert, lacht, nickt – sich zurücklehnen und eine Pause machen kommt für sie beim Jugendlandtag nicht in Frage.  „Ich habe so viele Leute aus ganz Nordrhein-Westfalen kennengelernt und Politik einfach mal live erlebt. Ich bin jetzt zwar nicht bei den JuSos, aber der Jugendlandtag hat mich dazu gebracht, mich zu engagieren, weil es wirklich etwas bringt.“

Ihre Helferkollegin Petra Lammerding stimmt ihr zu: „Man übernimmt Verantwortung, wird selbstbewusster, schließt Freundschaften. Es macht einfach Spaß!” Sie macht eine kurze Pause. „Aber es sind auch stressige Tage, danach würde ich am liebsten zwei Tage durchschlafen.“

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Comments (2)

 

  1. [...] nicht so heißt“, sagt Petra Lammerding. Die 17-jährige Schülerin ist in diesem Jahr eine der Betreuerinnen, beim ersten Jugendlandtag hat sie als Abgeordnete an den Entscheidungen mitgewirkt. „Dort haben [...]

  2. [...] es überhaupt zu diesem ersten Gottesdienst gekommen ist, ist den Teilnehmern des letzten Jugendlandtages vom Juni 2009 zu verdanken. Diese hatten den Vorschlag gemacht, eine solche Andacht als Abschluss [...]

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