Jugendliche wollen Europa voran bringen

Oktober 8, 2010 Europa

CDU-, SPD- und Grünen-Vertreter des dritten Jugendlandtags von Nordrhein-Westfalen können gar nicht genug bekommen. Die Jugendlichen von FDP und Linke warnen jedoch vor zu viel Europa.

von Julia Kost

Die Debatte zum Thema “Europa und Eine Welt” sorgt im Jugendlandtag für Konfrontationen. Die jugendlichen Vertreter der Landtagsabgeordneten von CDU, SPD und Grünen fordern ein starkes Europa. FDP und Linke warnen jedoch, dies dürfe nicht in einen Europanationalismus ausarten, sondern müsse sich auf das Kennenlernen der anderen Kulturen beschränken.

„Es muss ein Gefühl für Europa hergestellt werden“, sagt Timothy Kahler, 19, Vorsitzender des CDU-Arbeitskreises zum Thema „Europa und Eine Welt“. In diesem Punkt sind sich alle Parteien weitgehend einig. „Das Bewusstsein muss gestärkt werden“, bestätigt Lars Backaus, 17, von der SPD. Dabei setzen die Jugend-Parteien allerdings unterschiedliche Schwerpunkte.

Die CDU schlägt vor, in einem Rückblick auf frühere Erfolge Europas, den Menschen die zentrale Frage: „Was bringt mir Europa?“ zu beantworten. Die niedrige Wahlbeteiligung bei der letzten Europawahl (43,3 Prozent) ist Argumentationsgrundlage. Als „die Europapartei“, wie Timothy Kahler betont, ist der Standpunkt der CDU zu Europa klar. Es geht um keine allgemeine Debatte darüber, ob mehr oder weniger Europa notwendig sei, sondern darum, wie sich “mehr Europa” bekommen ließe. Der Europatag am 9. Mai steht im Zentrum der Debatte. Er soll ein großer Festtag werden. Vermehrte Schülerpraktika sollen dem Gefühl, in einem anderen Land Europas fremd zu sein, vorbeugen. Auch von Lehrerpraktika und mehr Europaschulen ist die Rede. Wichtig ist den Jugendlichen, Europa nicht als abstrakte Institution, sondern als Gemeinschaft vorzustellen. Jonathan Klüser, 19, benutzt hier sogar das Wort „Nation“.

Der SPD-Arbeitskreis setzt den Schwerpunkt auf den kulturellen Austausch. Stiftungen sollen Wettbewerbe für Schulklassen ausschreiben. Die Gewinner reisen in Europas Kulturhauptstädte. Die aktuelle Integrationsdebatte zeigt, dass kulturelle Differenzen eine Barriere bauen. Um diese zu beseitigen ist es laut SPD-Sprechern wichtig, die Europathematik verstärkt in die Schulen zu bringen.

Der Vorschlag, die Europaflagge an öffentlichen Gebäuden anzubringen, den die Abgeordneten des Jugendlandtages diskutieren sollen, findet bei Gizem Denirdizen (SPD-Fraktion), 17, Anklang. Sie selbst spricht sich „als Migrantin, dafür aus, die Deutschlandflagge nicht den Rechtsradikalen zu überlassen. „Auch in der Türkei hängen an öffentlichen Gebäuden Flaggen.“, sagt sie. Das soll in Deutschland auch ohne Bedenken möglich sein.

Grüne-Sprecherin Simone Kaltbach, 20, sagt hingegen, eine Europaflagge stehe nicht im Vordergrund. Die Grüne-Fraktion pocht wie die SPD auf mehr Europa in den Lehrplänen.

Die FDP spricht klare Forderungen für den Umgang mit der europäischen Flagge aus: Alleine darf sie nur an europäischen Institutionen hängen. An staatlichen Einrichtungen muss immer die Deutschlandfahne dabei hängen und das auch nur an besonderen Anlässen wie etwa zur geplanten Europawoche oder wenn ein neues Land der EU beitritt. Die Jugendlichen Abgeordneten der FDP wollen außerdem den 9. Mai - den Europatag – zum gesetzlichen Feiertag erklären und zum Höhepunkt einer Europawoche machen. Diese soll in einem jährlich vom Europalandtag gewählten Kulturland stattfinden. Die Abgeordneten schließen eine eventuelle Verbindung mit dem Eurovision Song Contest nicht aus. Die Europawoche soll von Unternehmen gesponsert werden, wie Mirco Sinani,16, und Denise Otto, 16, berichten. Die FDP-Abgeordneten wünschen sich den kulturellen Austausch, betonen aber gleichzeitig, dass dabei nicht die eigene Kultur verloren gehen dürfe. Es bestehe die Gefahr eines einzigen großen Europastaates, in dem die nationale Identität verloren geht.

Richard Grimm, 19, Vorsitzender der Linke-Fraktion, sagt, dass von Seiten der Linken nichts gegen eine Europaflagge einzuwenden sei. Allerdings soll es dann auch eine Flagge für die Vereinten Nationen und andere Weltorganisationen geben. Eine Europazentrierung kommt nicht in Frage. Hauptziel der Linken ist es, Auslandspraktika zu fördern, allerdings nur, „wenn dadurch der Eintritt ins Berufsleben nicht verzögert wird. Wie es typisch ist für die Linke“, sagt Richard Grimm mit einem Lächeln.

Hier gehts zur offiziellen Website der Europäischen Union

Die Beschlüsse des Jugendlandtags für Europa

Kulturhauptstädte erfahren

Jugendlandtag zeigt europäische Flagge

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