Kommentar: Erziehung ist nicht Schulsache

Oktober 8, 2010 Aktuell

Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern soziales Verhalten in der Gesellschaft beizubringen, meint Leonie Böttcher. Ein Schulfach “Soziale Kompetenzen” ist unnötig.

Es ist die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern soziales Verhalten in der Gesellschaft beizubringen, nicht die der Schulen.

Beim dritten Jugendlandtag in Nordrhein-Westfalen wird dies nun in Frage gestellt. Die Fraktionen diskutieren die Einführung eines neuen Schulfaches “Soziale Kompetenzen”. Dieses Fach soll die Themen Pädagogik, Konfliktlösung und Arbeit in der Gesellschaft behandeln, da diese bei den Jugendlichen zu Hause angeblich zu kurz kommen.

Die Schule soll also dazu dienen, den Schülern nicht nur Deutsch, Mathe und Geschichte beizubringen, sondern soll noch stärker als bisher auch die Erziehung übernehmen.

Doch kann man den Eltern diese Aufgabe nicht abnehmen. Sie sind selbst für die Erziehung ihrer Sprösslinge verantwortlich.  Manche Dinge lassen sich nicht über Lehrer und Schulbücher vermitteln! Erziehung ist ein Jahre lang andauernder Prozess, der nicht durch die Pausenklingel nach 45 Minuten abgebrochen werden darf. Er muss durch die Eltern nahegebracht werden, denn sie sind diejenigen, die das persönliche Verhältnis zu den Kindern haben, das Lehrer nie aufbauen können. Es kann nicht alles in der Schule vermittelt werden.

Dies stellt auch zu hohe Anforderungen an die Lehrer. Schule soll das Wissen vermitteln, die Familie das Verhalten. Die Stundenpläne der Schulen sind schon jetzt voll. Für ein weiteres Fach ist einfach kein Raum mehr vorhanden.

Sicherlich gibt es auch Familien, in denen diese Werte zu kurz kommen. Aber diese Gruppe stellt die Minderheit dar. Für sie müsste es jedoch individuelle Angebote geben. Schulpsychologen, die auf die Problemschüler gezielt eingehen und das erklären, was die Eltern leider nie geschafft haben: Soziale Normen und Regeln einer Gesellschaft zu übermitteln.

Doch Eltern muss immer zunächst einmal Vertrauen geschenkt werden. Denn viele machen ihre Aufgabe sehr gut und nehmen die Erziehung ernst. Auf Problemfälle muss zukünftig einzeln eingegangen werden. Nicht im Unterricht mit noch volleren Stundenplänen.

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